Über Vergebung, Gegenwärtigkeit, Verantwortung und Selbstannahme

*** VERGEBUNG ***

„An Vorwürfen festzuhalten ist wie Gift trinken – in der Hoffnung, dass der andere stirbt.“

Dieses Zitat von Buddha habe ich zum ersten Mal in Laura Malina Seilers Buch „Mögest du glücklich sein“ gelesen. Es fasst in einem Satz zusammen was passiert, wenn man sich dauerhaft grämt und ärgert. Dieser Satz soll dazu inspirieren zu vergeben – nicht für den anderen, sondern für dich und deinen Seelenfrieden.

Warum fällt uns vergeben so schwer?

Viele Menschen denken, dass wenn sie jemandem vergeben, sie das was sie ihm vorwerfen für „gut heißen“ oder den/diejenigen von ihrer Schuld freisprechen würden. Darum geht es bei Vergebung aber nicht. Du vergibst damit du dich selbst befreien kannst, damit du in deiner Seele und in deinem Kopf wieder mehr Platz für andere Gedanken hast – positive Gedanken. Gedanken die dir Frieden schenken. Du vergibst in erster Linie für dich, für deine eignes Wohl.

Was macht das mit mir?

Wenn du vergibst, lässt du auch gleichzeitig los. Du lässt die Vergangenheit vergangen sein und du akzeptierst das, was auch immer dir passiert ist, als einen Teil von dir. Du nimmst es an und kümmerst dich um diese Verletzung, wie um ein Kind das sich weh getan hat. Und sobald du dich dadurch wieder mit dir beschäftigst und für dich sorgst, wirst du wieder im Hier & Jetzt ankommen. Du kannst, das was war nicht ungeschehen machen. Aber du kannst dich, die Person die du dadurch geworden bist, liebevoll versorgen.

Psychologie nach Adler in „Du bist genug – vom Mut glücklich zu sein“

Kurz zur Psychologie Adlers. Im Gegensatz zu Freud, der das gegenwärtige Verhalten seiner Patienten kausal analysiert hat – also dessen Ursache in deren frühkindlichen Erfahrungen untersucht hat, predigt Adler, dass das Verhalten der Menschen zweck- bzw. zielorientiert ist.

Das heißt, dass die Beweggründe, für z.B. für problematisches Verhalten, nicht (nur) in der Vergangenheit liegen, sondern auch in der Gegenwart oder Zukunft betrachtet werden müssen. Meist sind diese Beweggründe bzw. Ziele, die ein bestimmtes Ergebnis verfolgen, das wir dann immer wieder durch ein konkretes Verhalten hervorrufen, unbewusst.

*** VERANTWORTUNG & GEGENWÄTIGKEIT ***

Sich dieser (unbewussten) Zielausrichtung im eigenen Verhalten bewusst zu werden, ist das Wesentliche hier. Ebenso wesentlich wie die eigene Bereitschaft in die volle Verantwortung für sein gegenwärtiges Verhalten zu gehen.

D.h. sich nicht als „Opfer der Vergangenheit“ zu sehen und die eigenen problematischen gegenwärtigen Verhaltenszüge damit zu rechtfertigen. Bei Adlers Betrachtungsweise ist es essentiell, dass man diese Verantwortung annimmt und in der Gegenwart aktiv und selbstbestimmt handelt.

Es kann sein, dass du dir mit Adlers Ansatz schwer tust und das ist vollkommen in Ordnung. Es geht dabei nicht um richtig oder falsch. Erwäge es vielleicht einfach als eine weitere Betrachtungsweise von der du das für dich mitnimmst, was dir plausibel scheint und dich auf deinem Weg weiterbringt.

*** SELBSTANNAHME ***

Darüber hinaus geht es Adler darum, dass sich der Mensch ganzheitlich annimmt mit all seinen Erfahrungen. Sowohl die guten als auch die schlechten Erfahrungen haben uns geprägt und sind ein Teil von uns. Adler fordert, keine dieser Erfahrungen abzulehnen, da man dadurch auch sich und sein gegenwärtiges Selbst abwerten würde.